Warum schöne Materialien allein noch keinen stimmigen Raum ergeben
Es passiert schnell. Man entdeckt eine wunderschöne Küchenfront. Eine Arbeitsplatte, deren Struktur sofort gefällt. Einen Boden, den man am liebsten direkt bestellen würde.
Jede Entscheidung für sich fühlt sich gut an. Und trotzdem kann am Ende ein Raum entstehen, bei dem irgendetwas nicht stimmt. Nicht, weil eines der Materialien falsch gewählt wurde, sondern weil wir Räume nie als einzelne Materialien wahrnehmen. Wir nehmen immer ihr Zusammenspiel wahr.
Genau deshalb gehört für mich ein Moodboard zu den wichtigsten Werkzeugen einer guten Raumplanung.

Ein Raum ist mehr als die Summe seiner Materialien
Bei der Planung beschäftigen wir uns häufig nacheinander mit einzelnen Entscheidungen. Welcher Boden? Welche Front? Welche Arbeitsplatte? Welche Wandfarbe? Welche Armaturen?
Das ist organisatorisch sinnvoll. Gestalterisch dürfen diese Entscheidungen aber nicht unabhängig voneinander betrachtet werden. Denn jede Oberfläche bringt etwas in einen Raum: eine Farbe, einen Unterton, eine Struktur, einen Glanzgrad, Wärme oder Kühle, Ruhe oder Bewegung.
Eine stark gemaserte Holzoberfläche kann wunderschön sein. Eine lebhafte Natursteinoptik ebenfalls. Dazu vielleicht noch ein strukturierter Boden und eine besondere Wandfarbe. Einzeln betrachtet sind das alles schöne Entscheidungen, zusammen kann es plötzlich zu viel sein. Andersherum kann ein Raum, der fast ausschliesslich aus sehr ruhigen und ähnlichen Oberflächen besteht, schnell flach wirken.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur:
Gefällt mir dieses Material?
Sondern auch:
Welche Aufgabe übernimmt es im gesamten Raum?
Der Bestand gehört mit aufs Moodboard
Besonders wichtig wird diese Frage, wenn ein bestehendes Haus weiterentwickelt wird. Denn dann beginnt die Planung nicht auf einem weissen Blatt Papier. Der Raum bringt bereits Materialien, Farben und Strukturen mit, die Teil der neuen Gestaltung werden können.

Bei unserer Küche sieht man das besonders deutlich. Tonplatten, Holzfenster und Balken bringen bereits sehr viel Wärme, Struktur und Charakter in den Raum. Die Küche selbst wird sich grundlegend verändern, einige der Materialien rundherum bleiben jedoch bestehen.
Bei der Materialplanung ging es deshalb darum, unseren eigenen Stil mit dem Charakter des Hauses zu verbinden. Neues darf sichtbar sein und soll sich trotzdem selbstverständlich in das einfügen, was bereits da ist.
Genau an diesem Punkt wird ein Moodboard für mich viel mehr als eine schöne Collage. Bei einer konkreten Raumplanung soll es nicht nur zeigen, was mir gefällt, sondern sichtbar machen, wie die einzelnen Entscheidungen miteinander funktionieren.
Dafür gehören möglichst alle prägenden Materialien zusammen: der vorhandene Boden, die geplante Front, die Arbeitsplatte, Holz, Wandfarben und die späteren Akzente. Erst im Zusammenspiel werden Dinge sichtbar, die bei einer einzelnen Bemusterung kaum auffallen. Wie wirken warme und kühle Untertöne nebeneinander? Gibt es bereits genug Struktur? Wo braucht der Raum Ruhe?
Und wiederholt sich vielleicht eine Farbe oder ein Material an einer anderen Stelle?
Die entscheidende Frage lautet für mich deshalb:
Entsteht aus all diesen einzelnen Entscheidungen die Raumwirkung, die ich erreichen möchte?
Unsere Küche als Beispiel
Bei unserer Küche bildet der Bestand den Ausgangspunkt. Die Terracotta Platten bleiben, ebenso die Holzfenster und die sichtbaren Balken. Die Täferdecke wird zwar heller, ihre Struktur bleibt aber weiterhin Teil des Raumes.
Dazu kommen die neuen Materialien:

Küchenfronten:
CAT Camee matt
Arbeitsplatte und Rückwand:
Dekton Nacre
Wände und Decke:
RAL 9010
Akzente:
Schwarz matt bei Geräten, Spülbecken, Armatur und Griffen
Auf dem Moodboard wird sichtbar, welche Rolle die einzelnen Materialien übernehmen. Die Terracotta Platten bringen Wärme und Geschichte, das bestehende Holz Natürlichkeit und Charakter. Camee matt schafft eine helle und ruhige Fläche, Nacre ergänzt eine feine steinige Struktur. RAL 9010 verbindet die hellen Flächen miteinander, während Schwarz gezielt Kontur und Kontrast hineinbringt.
Keines dieser Materialien muss für sich allein besonders laut sein. Die Wirkung entsteht durch ihr Zusammenspiel.


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